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THEMA: Victoria

Victoria 25 Jul 2017 22:32 #1

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Nach Empfehlung geschaut.

Kurz zusammen gefasst: nicht immer, wenn was einen Preis bekommt, ist das ein gutes Zeichen.
Ansicht eine gute Geschichte, nur viel zu träge in die Länge gezogen. Warum das Werk unbedingt sagenhafte 140 Minuten lang sein muss, verstehe ich nicht wirklich, mit 90 wäre mir das deutlich lieber gewesen.
Und ein Preis für die Kameraführung... naja sicher Geschmacksache.
Schön ist die Arbeit mit Schärfe und Unschärfe, leider ist aber praktisch der komplette Film verwackelt bis zum geht nicht mehr...

Film: 6/10 gute Story, schlecht (zu lang) erzählt
Ton: 7/10 ok, nichts besonderes.
Bild: 3/10 mit viel Wohlwollen und nur weil es mir vom Verwackeln abgesehen sehr gefallen hat.
Ohne Wackeln hätte ich wohl 8/10 gegeben...Schade diese Unsitte.
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Victoria 26 Jul 2017 11:02 #2

Kurz zusammen gefasst: nicht immer, wenn was einen Preis bekommt, ist das ein gutes Zeichen.
Wenn es um die goldene Himbeere geht, stimme ich uneingeschränkt zu. :rofl:

Da bin ich mal gespannt, werde mir den auch mal anschauen. Der Film hat ja nicht nur (viele) Preise gewonnen, sondern kam auch bei Kritik UND Publikum gut an.
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Victoria 26 Jul 2017 18:44 #3

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Etliche der Preise sind halt "Berliner"irgendwas, hab hab ich zT schon fast den Eindruck, dass die das nur bekommen haben, weil der Film in Berlin spielt :-)

Ich denke, wenn man die erste Stunde auf Max. 10Minuten gekürzt hätte, wäre es besser gewesen. Verpassen würde man da nicht wirklich was.
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Victoria 05 Aug 2017 09:54 #4

So, nun endlich auch gesehen. Hat wegen der Überlänge aber etwas gedauert, eine passende Gelegenheit zum Schauen zu finden.
Hatte bis zur Sichtung des Trailers (und auch der hatte mich nicht unbedingt sofort in den Bann gezogen) nichts von dem Film gehört und bei deutschen Werken bin ich zwar nicht voreingenommen, aber zumindest vorsichtig zurückhaltend.

Aber eine Empfehlung des Kollegen Jigsaw ist dann für mich Grund genug, einem Film eine Chance zu geben. :sbier:

Victoria ist von der Handlung her eine einfache und geradlinige Geschichte, in der eine junge Spanierin, die in Berlin lebt und arbeitet eines Nachts zufällig mit ein paar zwielichtigen Typen zusammen trifft und eigentlich unfreiwillig in deren kriminelle Machenschaften verstrickt wird. Also nichts, was man nicht schon gesehen hätte und mehr muss auch nicht verraten werden.

Außergewöhnlich ist allerdings die Inszenierung. Der Film spielt in Echtzeit, also während der 134 Minuten Laufzeit des Films vergeht genau die selbe Zeit in der Handlung. Sowas gibt es sehr selten und noch seltener, wenn nicht sogar einzigartig ist die Entscheidung, den ganzen Film in einem Take ohne Schnitt zu drehen. Spätestens nach einer viertel Stunde dürfte das auch dem unbedarften Zuschauer auffallen. Und im Gegensatz zu Birdman, der dank der hervorragenden Kamera/Schnitttechnik nur so aussieht, sind hier wirklich keine versteckten Schnitte vorhanden, sondern es wurde über zwei Stunden mit der Kamera drauf gehalten. Den sehr umfangreichen Extras der BD ist zu entnehmen, dass man das ganze dreimal an (fast ausschließlichen) Originalschauplätzen gedreht hat und der dritte Take verwendet wurde. Eine wahrhaft filmlogistische und zwangsläufig auch schauspielerische Meisterleistung.

So gesehen ist die Kameraarbeit definitiv preiswürdig und Sturla Brandth Grøvlen wird beim Abspann auch zuerst genannt. Kameramann Lubezki hat bei Birdman für weniger den Oscar bekommen.

Und ein Preis für die Kameraführung... naja sicher Geschmacksache.
Schön ist die Arbeit mit Schärfe und Unschärfe, leider ist aber praktisch der komplette Film verwackelt bis zum geht nicht mehr..

Nun muss Handkamera nicht zwangsläufig verwackelt sein, wenn Steadycams verwendet werden. Allerdings hätte man mit solchen nicht Szenen innerhalb eines Autos oder die, wo die Kamera über eine Bodentreppe auf das Dach folgt, drehen können. Das geht nur mit dementsprechend kompakten Kameras, wo halt zwangsläufig Wackeln vorkommt. Das ist die Kehrseite der Medaille, denn ich bin eigentlich auch eher ein Freund des stabilen Bildes. Aber zumindest wurde nicht absichtlich gewackelt wie in manch anderen Filmen, wo dadurch Pseudorealismus vorgegaukelt werden soll.

Nun kann man sagen, alles recht und schön, ein filmisches Experiment, aber entscheidend für den Zuschauer ist, was hinten rauskommt und nicht wie es gemacht wurde.

Ich würde aber schon sagen, dass die enorme Intensität des Films mit herkömmlicher Art und Weise nicht unbedingt erreicht worden wäre. Auch der Entwicklung/Glaubwürdigkeit der Charaktere war es sicher zuträglich, wenn Ihnen (positiv) anzumerken ist, wie geschafft sie gegen Ende des Drehs sind.

Ob man den Film jetzt straffen hätte können, darüber lässt sich streiten. Eine Notwendigkeit für mich würde ich aber nicht sehen. Der Film lässt sich zwar am Anfang Zeit für seine Entwicklung, aber das war für mich keinesfalls langweilig. Man muss auch bedenken, dass die Handlung es erforderte, dass sie sowohl in der Nacht als auch in den frühen Morgenstunden stattfindet. Da wäre es auch etwas unglaubwürdig gewesen, wenn der Film erst um 6.00 Uhr Handlungszeit beginnt, da ja noch das Nachtleben gezeigt wurde. Zumindest nicht, wenn die Handlung in Echtzeit zu sehen sein soll.

Einziger Kritikpunkt meinerseits ist die Entscheidung, dass die Protagonistin eine Spanierin ist, die kein Deutsch spricht, was zur Folge hat, dass ein Großteil der Dialoge in bewusst einfachem (Urlauber)englisch stattfindet (untertitelt). Funktioniert zwar und ist auch kein Problem, aber hätte den Film nicht schlechter gemacht, wenn Victoria Deutsch gesprochen hätte. Ich will auch nicht beurteilen, wie realistisch das ist, dass eine Bedienung in Berlin überhaupt kein Deutsch kann.

Zusammenfassend sicher durch seine Machart ein außergewöhnlicher Film, der auch meine Empfehlung hat, wenngleich nicht an Jedermann gerichtet und auch nicht für den täglichen Konsum. Eine etwas cineastische Ader sollte man also schon haben.

Filmnote: 8/10 (imdb 7,7)
Letzte Änderung: 05 Aug 2017 10:17 von Last Action Hero.
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