Kinos GER vs US

  • Hallo,


    ich konsumiere, wie hier viele sicherlich auch, auf Youtube regelmäßig Heimkino Content. Dabei stolpert man ja des öfteren über Projekte von Privatleuten sowie auch (vermeintlich) Professionellen Installern aus den USA die ihre Projekte vorstellen.


    Was mich immer wieder erstaunt das dort kein einziger je was von zB einer Bafflewall, DBA, SBA gehört hat und im allgemeinen viel zu wenig in die Akustik gesteckt wird. Oftmals hängen nur 2-3x 10cm fertige Panels sichtbar an den Wänden. Dazu kommt das meisten Heimkinos nachwievor so aufgebaut das 2x oder 4x vorgebauten kleinen Subs auf meist hellen Teppich in den Ecken platziert werden und dann gehofft wird das man damit 6-8 Sitze gut beschallen kann und die Einmess Automatik schon funktioniert.


    Was meint ihr, sind die drüben einfach technisch nicht so versiert was das ganze Thema Raumakustik sowie Raummoden angeht und was

    man mit einem Array bewirken kann - oder woran könnte das liegen ?


    Ich höre dann auch immer was die Leute ausgeben und wenn dann für 150k$ 4x Mini Subs sichtbar in die Ecken gequetscht werden frage ich mich

    was da falsch läuft. Was meint ihr, wie würdet ihr die Qualität einschätzen mit zB den hier gezeigten Bauten ? Von außen betrachtet liegen da Welten zwischen mMn. auf rein fachlicher & technischer Seite.

  • Ich kann mir vorstellen, dass die unterschiedlichen Gegebenheiten einfach zu unterschiedlichen Herangehensweisen und Lösungen führen.

    Bei denen wohnen die meisten kleinen Schweinchen eben in (nicht unterkellerten) Häusern, die der böse Wolf einfach wegpusten kann. Deren Bauphysik findest du hierzulande im Bereich der Gartenlaube...

    I have come here to chew bubblegum and kick ass - and I'm all out of bubblegum.

  • Es gibt auch in USA Installer die ihr Geschäft verstehen.

    Mein Eindruck ist jedoch dass für Viele da wieviel Watt es hat und was es gekostet hat zählt.

    Zudem sagt man in DT dass die Ami‘s sehr viele Holzbauten haben und dann weniger Stehwellen haben. Aber eben nicht Alle.

    Trinnov klingt für Viele da russisch also lehnen sie es ab. Auch nur ein Gerücht.

    Andere Länder, andere Sitten.


    Zumindest aus diesem Land kommen viele Filme die für HK Betrieb interessant sind. Noch.


    Nachtrag. Auch die Ami‘s gucken gern zu uns und wundern und staunen auch. Womöglich sagen sie auch : HK auf 18qm? No way!

  • Ich hatte damals ja versucht, das DBA ein wenig in die Welt hinauszutragen. Ich hatte aber den Eindruck, dass vor allem Menschen außerhalb der USA daran Interesse gezeigt haben. Zumindest die Anfragen per PN kamen von überall. Das ist halt ein ziemlich deutsches Ding und solange es amerikanische Profis nicht annehmen, hat es keine hohe Reputation. Ist mir dann irgendwann auch egal geworden. Die Informationen sind bei Wikipedia auch in Englisch vorhanden. Soll jeder damit machen, was er will. :zwinker2:

  • Ich frage mich schon lange woran es liegt das dort ein anders Bass Konzept verbeitet ist.

    Das mit den Holzbauten habe ich hier schon sehr häufig als Argument gelesen, wieso dort noch primär Multisub vertreten ist. Das kommt aber eher auf die Wohngegend an und wenn man genauer hinschaut, dann wird schnell klar das dort auch einige ganz klassisch ihr Kino im Keller auf Betonboden haben.

    Das Bass-Array wurde im AVS Forum von Follgott schon vor Ewigkeiten vorgestellt aber ist gefühlt jetzt erst durch Trinnov waveforming dort angekommen.

    Die meisten Enthusiasten verbauen dort Multisub im Raum verteilt, mit zusätzlichen very nearfield subs direkt an der Rückenlehne um die Taktilität des Basses zu verstärken.

  • Man sieht da ja Bass seitig oft so Front Wall of Sounds. Hintergrund ist, meine ich, die nicht rigide Bauweise in den USA. Meist verhalten sich die Kinos wie Dachbodeninstallationen bei und. Moden sind da oft kein Thema, sonder "

    How the fuck to get Bass Druck"

    "Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid." (Yoda)

  • https://m.youtube.com/watch?v=JUFe4hvFpBo


    Bei Minute 24:30...

    Das beschreibt ganz gut wie es bisher in Amerika ankam

    bei denen leider niemand, da sie das Konzept noch nicht verstanden haben. Aber vielleicht wird das in Zukunft noch was.

    Oder vielleicht besser auch nicht, sonst wird das dann auch in Amerika zur Mode und dadurch steigen dann die Chassis Preise der Subs, da jeder in Amerika anfängt sein Heimkino mit 8 Subs aufwärts aufzurüsten. Also lieber unter uns belassen :ah::rofl:

  • Mein Eindruck ist jedoch dass für Viele da wieviel Watt es hat und was es gekostet hat zählt.

    Definitv. Show & Shine hat dort bei Vielen einen hohen Stellenwert, siehe auch die hohe Anzahl an Themen-Kinos. Dazu werden solche HKs wohl auch öfters der Öffentlichkeit präsentiert, weiter verbreitet, so dass diese auch bei uns wahrgenommen werden.
    Es wird auch in den US technisch hochwertige Umsetzungen geben, aber ne dunkle Höhle reißt Niemanden vom Hocker, die Medien dazu werden kaum verbreitet.

    Ich frage mich schon lange woran es liegt das dort ein anders Bass Konzept verbeitet ist.

    Größere Räume => Raummoden sind bei tieferen, tw. unkritischen Frequenzen.
    Holzbauweise => weniger Raummoden
    Siehe oben: Die Technik will präsentiert werden.
    Man kennt es nicht besser und manche Effekte klingen Modenverstärkt um so besser. Erdbeben, lange Explosionen, usw. profitieren von Raummoden, sind imposant beim Vorführen.

    Es sind halt unterschiedliche Philosophien: Form follows function vs. function follows form.

  • Da spielen denke ich einige Punkte mit rein:

    - Die Bauweise der Amerikaner (Holzständerwerk, oft kein Keller)

    - Große Räume - zeigen, was man hat

    - Mehr Schein als Sein


    Amerikaner tragen ihr Bargeld in Bündeln, zeigen gern, was sie haben (wenn sie was haben). Da ist es doch egal, wie das klingt. Es muss schick sein. Hat jemand mal "Pimp my ride" gesehen? Mehr Spachtelmaße und Farbe als alles andere. Der deutsche TÜV würde nicht nur "nein" sagen, die würden sich totlachen.


    Es gibt dort sicher Menschen, die wert auf tollen Klang legen. Aber das sind die wenigsten. Es muss in Instagram toll aussehen. Und in Instagram hört man halt nichts...


    Das ist halt eine komplett andere Philosophie. Bei uns in der Firma führt das immer wieder zu Diskussionen. Die Amis machen einfach. Die Deutschen - Ingenieursland - hinterfragen alles und wollen alles verstehen.

  • Dann teilen wir ja die gleiche Sichtweise.

    Ich wollte bzw möchte das Amerikanische Kino jetzt nicht schlecht reden, bringt sicherlich auch viele Kinos die Spaß machen auch wenn es mein Design/Technikgeschmack nicht trifft.


    Oftmals wird das ja aber auch gepaart mit einem sehr arroganten Auftreten auf Youtube wie toll man doch ist, grade auf Youtube. Es gibt da u.a einen sehr großen Car Hifi Channel Besitzer der in seinem Wohnzimmer locker 1-2 sek Nachhallzeit hat was man ganz klar über die Videos hört und meint er wüsste was guter Bass & Klang ist und beleidigt selbst Leute in den Kommentaren die anderer Meinung sind. Das habe ich hierzulande noch nie erlebt das jemand so sturr beharrt auf sein Setup. Aber ist anscheinend auch ein amerikanisches Gen...


    Das vieles mehr schein als sein ist kommt mir auch so vor. Möchte da aber keinen was vorschreiben. Ich glaube nur einfach das viele nicht ansatzweise so technisch versiert sind wie hier (DSP Programmierung usw) und hoffen das alles elektronisch interne / Automatiken das schon fixen wird.


    Das die Amis ,,einfach machen,, sehe ich jetzt eher kritisch als positiv. Klar kann das hierzulande Probleme machen auch mit den ganzen Vorschriften, aber ich finde eine gute Planung dann doch zielführender als 10 Subs in Raum zu stellen und hoffen die Automatik biegt den Frequenzgang irgendwie schon grade.


    aber danke für eure antworten :-)

  • Naja, mit ihrem "einfach mal machen" sind Sie objektiv betrachtet ziemlich weit gekommen!


    Mich wundert es auch, dass man hier aus der Ferne beurteilen kann wie da welches Kino klingt.

  • Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel, aber in den USA gibt es einfach in vielen Dingen eine sehr hemdsärmlige Herangehensweise.

    Sehr interessant fand ich die Bemerkung einiger Juroren auf der letztjährigen CEDIA Awards-Veranstaltung, dass selbst das "schlechteste" EMEA-Projekt den US-Contest locker gewonnen hätte.

    Auch der Hinweis, dass wir fast 10 Jahre vor WaveForming bereits mit der Implementierung von Bass-Arrays begonnen haben, löst dort gerne ungläubiges Staunen (und interessante Diskussionen) aus. :zwinker2:

  • Auch der Hinweis, dass wir fast 10 Jahre vor WaveForming bereits mit der Implementierung von Bass-Arrays begonnen haben, löst dort gerne ungläubiges Staunen (und interessante Diskussionen) aus. :zwinker2:

    Das Originalpaper von Anselm Görtz und Markus Wolf ist sogar schon von 2003 und wenige Jahre danach wurde im Visaton-Forum das erste DBA privat implementiert. Insgesamt waren "wir" Deutschsprachigen also noch sehr viel früher dran. :)

  • Ich weiß jetzt nicht; orientiert ihr euch an irgendwelchen YouTube Videos ? Ich bin eigentlich täglich in dem bekannten US Heimkinoforum unterwegs. Und da werden eigentlich permanent Heimkinobauten vorgestellt, bei denen ich respektvoll den Aufwand bewundere, der dort getrieben wird....Stichwort Raum-in-Raum. Was auffällt ist natürlich, dass die Kinos meist groß sind und über mehrere Sitzreihen verfügen. Und die Kinos werden weniger als Egoistenkino gebaut, sondern der Spaß mit Familie & Freunden steht im Mittelpunkt.Und auch dort werden stolz die Fronten, gespickt mit Subwoofern, präsentiert.Und viele lassen sich die Audioanlage final von einem Akustiker einmessen. Was man sagen kann ist, dass die Drüben-Kinofans den Schwerpunkt auf Atmosphäre und Spaß legen und weniger wissenschaftlich/pedantisch vorgehen. Und auch das letzte Quäntchen Schwarzwert steht nicht an erster Stelle; darum werden auch oft Barcos und Konsorten eingesetzt, um die große Leinwand zu füllen. Aber selbst das ist ein Klischee: in jedem 2. Kino ist ein JVC installiert....

  • Ich weiß jetzt nicht; orientiert ihr euch an irgendwelchen YouTube Videos ? Ich bin eigentlich täglich in dem bekannten US Heimkinoforum unterwegs. Und da werden eigentlich permanent Heimkinobauten vorgestellt, bei denen ich respektvoll den Aufwand bewundere, der dort getrieben wird....Stichwort Raum-in-Raum. Was auffällt ist natürlich, dass die Kinos meist groß sind und über mehrere Sitzreihen verfügen. Und die Kinos werden weniger als Egoistenkino gebaut, sondern der Spaß mit Familie & Freunden steht im Mittelpunkt.Und auch dort werden stolz die Fronten, gespickt mit Subwoofern, präsentiert.Und viele lassen sich die Audioanlage final von einem Akustiker einmessen. Was man sagen kann ist, dass die Drüben-Kinofans den Schwerpunkt auf Atmosphäre und Spaß legen und weniger wissenschaftlich/pedantisch vorgehen. Und auch das letzte Quäntchen Schwarzwert steht nicht an erster Stelle; darum werden auch oft Barcos und Konsorten eingesetzt, um die große Leinwand zu füllen. Aber selbst das ist ein Klischee: in jedem 2. Kino ist ein JVC installiert....

    Im AVS Forum (das meine ich größte englischsprachige Forum zum Thema Heimkino) sind DBA/SBA Installationen extrem rar gesät. DBA eig. fast ausschließlich durch das Erscheinen von Waveforming. Einfach Subwoofer in der Front entspricht ja auch nicht der klassischen SBA Gitteranordnung. Und ich weiß das hier oft der Faktor Leicht und Holzbau angeführt wird, aber wenn man sich die Heimkinos anschaut sind dort auch viele mit Multisub im Keller auf "concrete slab".

    Ein reguläres Setup dort ist nun mal Multisub und zusätzl. mit den schon erwähnten Subwoofern an der Rückenlehne, aber eben auch ohne Invertierung.

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