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THEMA: Grundlagen für den Heimkinobau

Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:04 #1

  • Usel20
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Da recht häufig die immer gleichen Fragen in Bezug auf die Ausstaffierung eines Heimkinoraums gestellt werden, dachte ich mir, dass wir viel des bereits x-fach bereitgestellten, aber gut versteckten Wissens mal in einen geeigneten Thread bzw. in eine kleine Wiki zusammenfassen sollten. Und genau das werde ich jetzt hier einmal angehen:



Optimale Raumdimensionen

Zuerst geht es um den Raum an sich. Die Gestaltung eines Kinos ist eine Religion für sich und das beginnt schon bei der Dimensionierung des Raumes. Nicht alle haben natürlich den Luxus sich einen dedizierten Raum dafür bauen zu können, aber wenn dem so wäre, dann gibt es einige Prediger, die zu unterschiedlichen Raumseitenverhältnisse raten:

  • Sepmeyer: 1.0 : 1.28 : 1.54
  • Louden: 1.0 : 1.4 : 1.9
  • Volkmann 1.0 : 1.5 : 2.5
  • Boner: 1.0 : 1.26 : 1.59

Auf die Gründe für diese unterschiedlichen Dimensionierungen will ich gar nicht eingehen, da ich diese auch nicht im Detail kenne :rofl: , aber wer sich dafür interessiert, kann ja die theoretische Grundlagen mal erörtern und uns mitteilen.

Klar ist, dass die Abmessungen des Kinoraums, wenn denn möglich, so gewählt werden, dass keine Seitenlänge ein Vielfaches einer anderen ist. Besonders quadratische Räume sind zu vermeiden, da hier stehende Wellen im Raum entstehen, die nicht ideal sind. Das hat sich auf Grund des DBA (Double Bass Array) etwas relativiert, aber mehr dazu später.

Optimale Raumgrösse

Man kennt ja die Sprüche, dass es „nicht nur auf die Grösse, sondern auch auf die Technik ankommt“. Gerade in Sachen Heimkino passt der Spruch, wie die Faust aufs Auge ;-) :rofl: Die ideale Grundlage für ein wirklich hervorragendes Heimkino sind 30-50qm an Raumfläche. Mehr ist auch kein Luxus, aber dann wird es in Sachen Soundsystem, Beamer, LW, etc. richtig kostspielig.

Erster Ansatz ist, dass man sich über die Leinwandbreite und den Sitzabstand Gedanken macht. Die ideale Sitzposition ist 38% vor der Rückwand entfernt, da dort die Modenverteilung in der Theorie am besten ist und davon ausgehend, kann man dann die Leinwand, das Stereodreieck etc. auslegen. Die Länge und Breite an sich sollte natürlich so gewählt werden, dass man das angedachte Soundssystem (5 Kanal, 7 Kanal, oder sogar mehr, DBA) unterbringen kann. In der Höhe sind 2.5 bis 3m perfekt. Die Luftigkeit gewährt einem genügen Platz für Atmos, Deckeninstallationen, wie Diffusoren und Absorber und gleichzeitig, ist es auch dem Klang dienlich.

Ich selber habe knapp 35qm und finde das mehr als ausreichend. Habe mich damals für ein Seitenverhältnis von 1 : 1.78 : 2.55 (2.8m : 5m : 7.15m), was ja relativ nahe an den Volkmann Vorgaben liegt. Warum? Keine Ahnung, aber bei der Planung mit Sketch Up hat das für mein Vorhaben, die beste Raumgestaltung ergeben.

Zudem kann man ja die akustische Auswirkung der Abmessungen recht einfach mit dem Trikustik Raummodenrechner (Klick Mich) überprüfen. Im Falle von meinem Raum sieht man hier schon die Modenverteilung mit den wichtigen Hauptmoden bei folgenden Frequenzen:

  • Breite 23,99 47,97 71,96 95.94
  • Länge 34,3 68,6 102,9
  • Höhe 61,2 122,5 183,75



Dort kann man sich auch schön anschauen, wo genau im Raum diese Moden auftreten.



Eine zweite Variante ist die Simulation des Raumes mit REW. Hier geht man schon weiter ins Details in Bezug auf die Raumgestaltung, daher kommt dieser Exkurs etwas später…
Letzte Änderung: 18 Dez 2018 15:07 von Usel20.
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Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:04 #2

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Leinwandgrösse

Wer im vorherigen Absatz aufgepasst hat, weiss nun, dass in Anbetracht der Modenverteilung die ideale Sitzposition ist 38% vor der Rückwand ist. Davon ausgehend kann man nun die ideale Leinwandbreite definieren. In Bezug auf die Bildbreite geht der Trend ganz klar zu „so gross wie möglich“. Hierbei sollte man aber im Auge behalten, dass ein Sitzabstand von 1:1 bei einer 21:9 Leinwand noch akzeptabel ist, 1:1 bei 16:9 einen aber erschlagen kann. Man sollte also den Sitzabstand am besten mal testen, bevor man sich hier festlegt.

Im Zuge der letzten Beamergenerationen hat man mittlerweile im bezahlbaren Bereich zwischen 1800-2500 unkalibrierte Lumen Lichtleistung zur Verfügung, mit denen man bis zu 4m Leinwandbreite hell genug ausleuchten kann. THX schreibt eine Helligkeit von 16ftl (footlambert) vor. Die Helligkeit auf der Leinwand kann man folgendermassen berechnen:

  • Helligkeit in ftl = ANSI-lumen des Projektors / qm-Größe der Leinwand / 9,3 * Gain


  • Nehmen wir als Beispiel mal einen JVC X5000, der gemäss der Herstellerangaben 1800 Lumen hat, und eine 4m Centerstage Leinwand mit einem Gain von 1 ausleuchten soll. Die Leinwandfläche ist immer in Bezug auf das 16:9 Bild zu berechnen (4mx2.25m=9qm), da die Chips in den Projektoren immer 16:9 bzw. neu teilweise 17:9 Panele haben und somit auch bei einem 21:9 Bild Lichtleistung für die „schwarzen“ Flächen ober- und unterhalb des Bildes verloren geht.

    Somit ergibt sich:

  • 1800/9/9.3x1= 21.5ftl


  • Rein theoretisch kommen hier mit einer neuen Lampe 21.5ftl auf der Leinwand an, aber man muss natürlich bedenken, dass durch Kalibration die reale Lichtleistung später bei nur 1400-1500 Lumen liegt und dann 17-18ftl nur noch ankommen und diese Leistung durch die Alterung der Lampe weiter abnimmt.

    Je nach Raum muss man natürlich dann auch noch den Zoom-Faktor des Projektors im Auge behalten, den man sehr gut mit dem Calculator auf der Projector Central Homepage durchrechnen kann (Klick Mich). Denn hier kann es zu Komplikationen kommen, wenn der Raum doch zu kurz für die geplante Bildgrösse ist.

    Leinwandformat

    In Bezug auf das Format spricht man eigentlich nur von 16:9 (1.78:1) und 21:9 (2.35:1) bzw. Cinemascope. Serien und TV Material wird meist in 16:9 ausgestrahlt, wobei fast alle Filme, vor allem die neuen, eher in 2.39:1 gezeigt werden, daher fokussiere ich mich auch auf dieses Format. Kann man später maskieren, ist es eigentlich relativ egal, was man für ein Seitenverhältnis wählt.



    Früher musste man sich immer fix auf ein Leinwandformat festlegen, aber heutige Projektoren haben fast alle einen Lens-Shift, also eine Möglichkeit unterschiedliche Leinwandformate abzuspeichern und durch Tastendruck abzurufen. Hierfür wird das Bild lediglich gezoomt und verschoben. Das erhöht die Flexibilität in Bezug auf die Aufstellungsmöglichkeiten im Raum ungemein.

    Der Profi plant idealerweise das Leinwandformat an Hand der maximal „verträglichen“ Bild-Höhe. Ein breiteres Bild verkraftet das Auge immer besser als ein zu hohes Bild. So sollte man testen, welche maximale Bild-Höhe bei einem 2.39:1 Bild maximal noch ertragen werden kann. Diese maximal verträgliche Höhe, ist dann das fixe Mass für das 2.39:1 und gleichzeitig auch für das 16:9 Format. So hat man keine störenden Formatwechsel bei unterschiedlichem Quellmaterial, genau wie es im Kino der Fall ist.

    Eine Leinwand im 16:9 Format ist nach heutigem Stand der Dinge immer ein gewisser Kompromiss. Aber auch hier gibt es so bekloppte, wie mich, die bei 21:9 einen Sitzabstand von knapp 1 zu 1 haben und dennoch eine 16:9 Leinwand verbaut haben. Warum? Weil ich es auf Grund der Raumhöhe einfach kann. ;-) Maskieren kann man ja immer noch, sollte einen das 16:9 Bild dann doch erschlagen.

    Um dem Helligkeitsverlust, welches durch die 21:9 Wiedergabe bei 16:9 bzw. 17:9 Panelen entsteht, entgegenzuwirken, kann der Heimkino Enthusiast mit unbegrenzten Mitteln dann auch noch einen Anamorphot einsetzen. Hier wird vom Projektor das 21:9 Bild auf 16:9 (in die Höhe) gestreckt, es wird also das gesamte 16:9 Panel des Projektors genutzt (Helligkeitsgewinn) und dann zieht der Anamorphot das Bild auf 21:9 in die Breite. Da es sich hier aber im eine Linse handelt, ist es ziemlich teuer, und das Bild wird durch die Linse leicht verfälscht, was zwar mit einer Curved Leinwand wieder behoben werden kann, aber die Frage ist, ob man das will.

    Leinwandmaterial

    Es gibt akustisch transparente Leinwände (AT) und solche, die es eben nicht sind (Folien).
    Bei AT Leinwänden kann man noch zwischen gewobenen Tüchern und perforierten Folien unterscheiden. Die Folien schlucken aber bis zu 10dB im Ton und sind daher akustisch alles andere als ideal.

    Der Trend geht ganz klar zu akustisch transparenten, gewobenen Leinwänden, da man hier das Bild über die gesamte Raumbreite strecken kann und die Lautsprecher einfach dahinter verschwinden können. Man kann 3 gleichwertige Lautsprecher (LCR) auf gleicher Höhe aufstellen und dann kommt der Ton direkt aus dem Bild und auch die Stimmen der Schauspieler werden bei korrekter Positionierung der LS leicht oberhalb der Leinwandmitte dort wiedergegeben, wo auch die Gesichter im Bild sind. Der Center sitzt somit nicht mehr unter der Leinwand, was die Sprachverständlichkeit erhöht, da nahezu keine ungewollten Reflexionen vom Boden auftreten und zudem erzielt man ein homogenes Klangbild, wenn sich etwas z.B. von links nach rechts durch das Bild bewegt. Bei einem Center unter oder oberhalb der LW springt der Ton in der Höhe von L nach C nach R, was die Immersion stören könnte. Nachteile sind ganz klar, dass diese gewobenen Tücher einen niedrigeren Gain oder auch Leuchtdichtefaktor haben, der das Reflexionsvermögen der Leinwand beschreibt. So kann man sagen, dass AT Leinwände einen Gain zwischen 0.6 und maximal 1 aufweisen, eine nicht AT Leinwand kann auch einen Gain von 2-3 haben, wobei hier die Bildung von Lichtkegeln (Hotspots, Reflexion der Beamerlampe auf der LW) und sogenannten Sparkles (Glitzern) möglich ist. Das Ziel ist daher immer bei ca. 1-1.3 zu bleiben, um ein möglich realitätsgetreues, homogenes Bild zu erhalten.

    Themen wie Moiree (Moiré-Effekt googlen) treten heute kaum noch auf, daher werde ich weniger hierauf eingehen. Klar ist aber, dass durch die gewebte Struktur bei zu nahem Sitzabstand zur Leinwand ein „verwaschener“ Bildeindruck entstehen kann. Mit wachsendem Abstand zur Leinwand verfliegt aber dieser Eindruck. Ganz die Bildschärfe eine nicht AT Leinwandfolie hat man aber nie, stört aber auch nicht weiter.

    Wer mehr über Gain und akustischer Transparenz verschiedener Tücher lesen will, kann (Hier) mal etwas stöbern.

    In diesem Thread werden folgende Tücher abgehandelt:
    • Prismasonic Screencloth AT woven
    • Prismasonic Screencloth AT perforated
    • Centerstage XD
    • Centerstage UF
    • Alphaluxx Barium
    • ScreenAcoustics UltraWeave V6

    Bezugsquellen für die Leinwand

    Im Grunde genommen gibt es hier 3 Möglichkeiten, wie man eine entsprechende Leinwand beschaffen kann.
    1. kompletten Kauf beim Leinwandhersteller
    2. Rahmen und Leinwandmaterial kaufen
    3. Rahmen im Eigenbau und Leinwandmaterial kaufen

    Jeder Ansatz hat seinen Reiz und je nach den eigenen vorlieben und Fähigkeiten sollte man einer der Optionen wählen.
    Variante 1, also der komplette Kauf ist natürlich der einfachste Weg. Die gängigen Hersteller sind hier Alphaluxx, Xodiac Screens und Prismasonic. Dort kann man eigentlich alles von einfachen Rahmenleinwänden in massgefertigten Grössen bis hin zu elektrisch maskierbaren Varianten passend für den jeweiligen Geldbeutel beschaffen. Preise kann man ziemlich einfach direkt bei denen Anfragen.

    Variante 2 wäre, dass man den Rahmen z.B. bei Keilrahmen.de beschafft (für meine 3.75m 16:9 LW habe ich knapp 180€ bezahlt) und dann diesen mit dem gewünschten Leinwandmaterial (Centerstage, Alphaluxx, Prismasonic, ScreenAcoustic V6, etc pp) selber bezieht. Ist alles etwas aufwändiger, aber machbar und hier spart man doch ein paar Euro im Verhältnis zum Komplettkauf. Vorteil ist, dass man alles individuell anpassen kann. Mir hat zum Beispiel die rahmenlose Leinwand von Xodiac sehr gut gefallen (Alphaluxx ist der Rahmen mit ca. 8cm doch ehr breit), aber dafür gefiel mir deren Tuch auf Grund des niedrigen Gains nicht wirklich. Durch den Eigenbau kann ich alles genau so machen, wie es für mich und mein Kino passt (hier).

    Variante 3 wäre dann, dass auch noch der Rahmen selber aufgebaut wird. Doxer hat das zum Beispiel gemacht (hier und hier). Ich habe für meinen Teil den Vorteil nicht gesehen, auch wenn das kein Hexenwerk ist, aber man muss schon zusehen, dass man extrem grade Balken etc. erhält. Preislich spart man hier mit Sicherheit noch einmal einen Hunderter ein.
    Letzte Änderung: 19 Dez 2018 13:00 von Usel20.
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    Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:04 #3

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    Podest

    Sollte man im Kino über zwei oder sogar mehr Sitzreihen nachdenken, empfiehlt sich der Aufbau eines Podests für die hinteren Sitzreihen, damit auch von dort aus ein perfekter Blick auf die Leinwand möglich ist. Hierzu gibt es eine ...Mathematische Ableitung der Podesthöhe... vom HD RGB Verein:





    h1=Augenhöhe ab Unterkante Leinwand, erste Reihe in Meter
    a1=Augenabstand erste Reihe in Meter
    a2=Augenabstand zweite Reihe in Meter
    die 0,1m sind 10cm, die zwischen Augen und Haarspitzen liegen. ggfls bitte anpassen

    hP=Mindestpodesthöhe in Meter

    Die Formel setzt voraus, dass die Zuschauer vorne und hinten gleich groß sind.


    Für den Aufbau des Podests empfiehlt es sich ein Grundgerüst aus massiven Holzbalken oder Brettern zu verwenden. Auf diesem Gerüst sollten entweder eine Dicke oder zwei dünnere Holzplatten befestigt werden. Die Abstände zwischen den Balken sollten nicht grösser als 50-60cm sein, damit ein Durchbiegen bzw. auch Vibrieren der darauf montierten Platten vermieden werden kann. Eine Befüllung des Podests mit Sonorock kann akustische Vorteile bringen, damit beim darauf Umhergehen ein sattes Trittgeräusch und kein Scheppern entsteht. Gegebenenfalls kann auch ein akustisches Element in dem Podest verbaut werden. So kann durch eine offene Front oder durch den Einbau von Helmholtzresonatoren eine Art versteckter Tieftonabsorber im Podest integriert werden.

    Beispielhafte Aufbauten:

    Mein Podest – aufgebaut aus OSB Platten



    Links:
    ...1...
    ...2...
    ...3...
    ...4...


    Danos Aufbau – aus massiven Balken und OSB
    ...1...
    ...2...


    Lautsprecherkonzept und -aufstellung

    Eigentlich muss man hier nicht viel erklären, denn es gibt ja die Dolby Speaker Setup Guides (Klick Mich). Da wohl jeder die Bilder verstehen sollte, ist das alles ziemlich selbsterklärend. Im Grunde genommen, sieht man die Positionierung der Lautsprecher und die idealen Aufstellungswinkel in Relation zum Sitzplatz. Ich habe einfach mal mein Setup gewählt und hierhin kopiert. Es handelt sich um 5.1.4, also 5 Main Lautsprecher, 1 Subsignal und 4 Atmos Speaker. Da ich ein Double Bass Array (DBA) habe, spricht man manchmal auch von 5.12.4, da bei mir 12 Subwoofer im Einsatz sind.







    Unser Binap hat sich auch einmal die Mühe gemacht, seine Gedanken zum Thema

    Ein Setup für alles: Kompromisslösung für Auro 3D, Dolby Atmos und DTS:X

    zusammenzuschreiben. Ziel war es für alle experimentierfreudigen Heimkino-Begeisterten ein Lautsprecher-Setup vorzustellen, das als Kompromisslösung für einen Aufbau der Höhenebene gedacht ist, mit dem man alle derzeit verfügbaren Audio 3D-Formate Auro 3D, Dolby Atmos und DTS:X wiedergeben kann.



    Was in Bezug auf ein Heimkino etwas fehlt bzw. nicht genügend hervorgehoben wird, ist der Fokus auf das Stereodreieck, wenn man denn auch Musik im Kino hören will. Ich wollte das und daher (hier) kurz der Exkurs zu einer Seite, die das super erklärt haben. In Kurzform geht es um die Bildung ein Gleichschenkliges Dreiecks zwischen den beiden Main Lautsprechern und dem Hörer. Diese LS Aufstellung erzeugt ein optimales Klangbild (Dreidimensionalität) beim Stereohören. Zudem planen auch viele Extremisten so, dass vor den LS keine Leinwand oder ähnliches hängt, um ungewünschten Klangverfärbungen vorzubeugen. Das müsste man dann bei der Raum und Leinwandplanung mit einbeziehen.




    Aufstellungstipps für Profis
    Auf Empfehlung von Andi (Latenight) nutze ich einfach diese detaillierte Schilderung aus ...diesem Thread... . Da dies zusammenhängende Erläuterung so perfekt ist, übernehme ich einfach alles...

    Um eines Vorweg zu nehmen. Die ideale Aufstellung von Lautsprechern im Heimkino gibt es nicht.
    Das Heimkino, gerade in kleinen Räumen, ist immer mit Kompromissen behaftet. Es gilt also, die Kompromisse so gering wie möglich zu halten. Die sorgfältige Planung und richtige Auftstellung von Lautsprechern und dem Abhörplatz, sollte immer dem Thema Raumakustik voran gehen. Gerne werde ich meine Sichtweise zu diesem Thema hiermit näher erläutern.

    Als Unterstützung für meine Erklärungen möchte ich die Skizzen vom >>> Bau des DoXer Keller-Kino verwenden.
    In meinen weiteren Ausführungen werde ich mich zunächst auf die Vorteile dieser Bauweise beschränken.





    Frühe Reflexionen minimieren
    In Anlehnung an professionelle Tonstudios und Kinos hat Michael eine Bafflewall realisiert. Dies hat den Vorteil, dass die Lautsprecher keine Reflexionen und überlagerten Schallwellen von der Stirnseite haben. An den Seiten werden die frühen Wandreflexionen bis hinunter in den Bassbereich durch Lochplatten und poröse Absorber wirkungsvoll bedämpft. Um den Reflexionen vom Boden zu verringern werden die Lautsprecher nicht in Bodennähne eingebaut.
    Das hat auch den Vorteil, dass Dialoge aus der Mitte bzw. dem oberen Drittel aus der Leinwand kommen.


    Linearer Frequenzgang durch DSP
    Die Aufstellung in der Wand bzw. Ecknähe, verhilft dem Lautsprecher zu mehr Tiefgang. Wenn diese Überhöhungen zusammen mit dem Raummoden durch einen DSP korrigiert werden, sinkt der Klirr auf ein Minimum. Ein durch die Leinwand eventuell entstehender Hochtonverlust ist durch einen DSP zu beseitigen. Gerade Fullrangelautsprecher, die frei im Raum stehen, haben hier oft große Probleme. Bei aktiven Lautsprecher sitzt die Endstufe mit ca 50 cm langen Kabeln direkt vor dem Chassis, was dem Dämpfungsfaktor, der Kontrolle und der Dynamik sehr zu gute kommt.


    Abstrahlcharackteristik
    Ein Lautsprecher sollte nicht nur auf Achse, sondern auch unter Winkeln einen gleichmäßigen Frequenzverlauf haben. Gerade Mehrweglautsprecher ohne Waveguide, haben das Problem, dass unter Winkeln der bekannte Tannenbaum entsteht. So fangen Chassis bei höheren Frequenzen, im Verhältnis zu Ihrer Größe, das bündeln an. Man könnte sich die Frage stellen, "was interessiert mich der Frequenzgang unter Winkeln, wenn ich auf der Hörachse der LS sitze?" Die Antwortet lautet: Werden Schallanteile nicht so stark gebündelt, dann treffen davon mehr Raumreflexionen am Hörplatz ein. Bei den Schallanteilen die stärker gebündelt sind, überwiegt der Direktschall. Dies führt zur Verfärbung in der Tonalität. Natürlich ist das Rundstrahlverhalten von einem liegenden Center anders, als das von einem Standlautsprecher. Auch die Bodennähe von Hoch- Mittel und Tieftöner beeinflussen den Klangcharakter massiv. So hört sich ein rosa Rauschen aus dem liegenden Center anders an als auf den Mainlautsprechern. Aus diesem Grunde tendiere ich zu drei gleichen Frontlautsprechern mit
    einem möglichst gleichmäßigem Abstrahlverhalten. Als Beispiel möchte ich hier einen Monitor erwähnen der auch im Studiobereich sehr beliebt ist.
    >>> Neumann O 420
    Diese Lautsprecher verwenden Im Hoch- bis Mitteltonbereich ein verschmolzenem Waveguides für die gleichmäßige Schallbündelung. Wenn man diese Monitore einbaut, dann lässt sich im übrigens auch die Aktivelektronik und die Endstufen auslagern.

    Natürlich haben auch andere Firmen schöne Töchter und auch in Sachen Selbstbau, habe ich schon sehr überzeugende Lautsprecher gehört.




    Die Kreisaufstellung
    Ideal wäre es wenn alle Lautsprecher im Kreis mit dem gleichen Abstand zum Hörplatz aufgestellt werden können. Nur so müssen keine Schallanteile zwischengespeichert werden (Delay).
    Leider kann das in den meisten Fällen nicht realisiert werden, weil z.B. die Surroundlautsprecher zu nahe stehen. Dabei sollten die vorderen Mainlautsprecher mit dem Sitzplatz ein gleichschenkliges Stereodreieck bilden. Die Lautsprecher sollten unbedingt symmetrisch im Raum stehen, so das beide Lautsprecher gleiche Bedingungen haben und das gleiche von sich geben. Die hinteren Lautsprecher des 5.1 Systemes werden idealer weise im 110 Grad Winkel montiert.


    Letzte Änderung: 18 Jul 2019 12:26 von Usel20.
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    Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:05 #4

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    Subwooferaufstellung

    In Bezug auf die Abbildung des Tiefbasses gibt es viele Varianten. Grundlegend geht es aber darum, ob man einen, zwei oder sogar mehrere Subwoofer einsetzen will. Ziel ist es aber immer, dass die Raummoden möglichst gleichmässig angeregt werden, um das ungewollte Dröhnen (bedingt durch die Raummoden) zu verhindern. Ideal ist, wenn man bereits Erfahrungen im Umgang mit Messequipment gesammelt hat, denn dann ist auch die Suche nach dem idealen Aufstellungsort etwas einfacher. Ich gebe hier mal nur die Theorie der optimalen Aufstellung wieder:

    Ein Subwoofer

    Bei Einsatz eines Subwoofers wird empfohlen diesen an einem der 4 Punkte auf ¼ Raumbreite und ¼ Raumlänge zu platzieren. Ansonsten kann man auch den Bass auf den Hörplatz stellen und dann durch umhergehen im Raum einen Platz zu finden, an dem es nicht dröhnt. Dort kann man dann den Subwoofer hinstellen.

    Zwei Subwoofer

    Beim Einsatz von 2 Subwoofern hat sich die Diagonale Aufstellung (Platzierung in gegenüberliegenden Raumecken) als sehr gut herausgestellt. Man kann aber auch beide Subs an der Frontwand auf je ¼ Raumbreite und -länge oder auch mittig an der Front und Rückwand aufstellen.

    Multisub

    Beim Einsatz mehrerer Subwoofer gibt es dann die Multi-Sub, SBA bzw. DBA Aufstellung. Bei Multisubs werden die Subwoofer in den Raumecken platziert und alle gleichphasig und mit gleicher Leistung betrieben. Oft ist der Bassverlauf dann allerdings nur an einem Platz linear.

    Single & Double-Bass-Array

    Beim SBA und DBA wird eine bestimmte Anzahl von Subwoofern (Array oder Gitter) gleichmässig über eine Wand verteilt, um eine absolut gleichmässige Anregung des Raumes im Bassbereich zu erzielen. Der einfache Aufbau wird SBA – Single Bass Array genannt. Bei einem SBA muss allerdings die gesamte Rückwand stark absorbierend ausgelegt werden, damit die Bassfrequenzen nicht lange im Raum zwischen den Wänden hin- und herschwappen.
    Baut man an der gegenüberliegenden Wand das genau gleiche Gitter noch einmal auf, und gibt dort ein invertiertes, um die Raumlänge verzögertes Basssignal wieder, dass die Basswelle dann neutralisiert, dann spricht man von einem DBA – Double Bass Array, was das non-plus-ultra in Sachen Bass ist, da hier eine nahezu modenfreie Basswiedergabe in eigentlich jedem rechteckigen Raum möglich ist. Dies ist allerdings auch die kostenaufwändigste Variante.

    Bei einem DBA sollten die verwendeten Chassis für das vordere und hintere Gitter am besten genau die gleichen sein. Es hat sich aber bereits gezeigt, dass eine Verwendung anderer Chassis und/oder eines anderen Gitteraufbaus (z.B. Front 6 Subwoofer in einem Gitter, Rear 4er Gitter) trotzdem ein perfektes DBA ergeben haben. Allerdings sollte gerade bei der Chassisauswahl doch auf eine gewisse Homogenität der grundlegenden Parameter geachtet werden.


    Quelle: (Klick Mich)

    Das DBA kann in verschiedenen Varianten (Anzahl und Positionierung der Subwoofer im Raum) aufgebaut werden, wozu ein umfangreiches Paper von FoLLgoTT verfasst wurde... (Klick Mich)


    Subwoofer-Verkabelung für SBA/DBA
    ...Quelle...

    Es gibt drei Möglichkeiten, Lautsprecher miteinander zu verschalten: Parallelschaltung, Reihenschaltung oder die Kombination von beiden. Wichtig ist, dass die Verdrahtung so erfolgt, dass an der Eingangsbuchse der Box ein Widerstand anliegt, der zu dem Ausgangswiderstand des anzuschließenden Verstärkers passt. Ist der Boxenwiderstand höher, schadet es nicht, bedeutet aber Leistungseinbußen. Ist der Boxenwiderstand geringer, kann das den Verstärker killen (moderne Verstärker sollten allerdings Schutzschaltungen haben). Daher niemals mal eben Boxen miteinander koppeln, ohne dass man deren Gesamtwiderstand kennt! Gerade beim Aufbau von SBAs und DBAs wird man sich mit dieser Thematik auseinander setzten müssen und dann ist diese Hilfe von Thomann wirklich Gold wert.





    Letzte Änderung: 20 Dez 2018 11:15 von Usel20.
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    Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:05 #5

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    Akustisches Raumkonzept

    Ich hatte bereits das Thema REW angeschnitten. In dieser frei verfügbaren Software (Klick Mich) gibt es den so genannten Room Sim. Dort kann man links oben in der Eingabemaske die Raumabmessungen eingeben und sieht dann direkt recht daneben, wie der Raum auf eine Anregung im Bassbereich reagiert. In dem Beispiel nutze ich wieder meinen Raum und wie man schön sieht, ist er im Rohzustand eine echte akustische Katastrophe. Eine einzige Berg- und Talfahrt und hätte man jetzt noch ein Wasserfalldiagramm dazu (wie lange braucht der Schall um absorbiert zu werden), dann würde mal wohl die blanke Angst bekommen.




    Das Schöne an REW ist, dass man jetzt anfangen kann rumzuspielen. Also haue ich jetzt mal zwei Mains in den Raum, die nahezu im Vollbereich mit BR laufen, ohne 80Hz Trennung, sowie 4 Subs, die ich als Fake DBA laufen lassen und stelle zudem die Absorbtion der Wände auf ein realistisches Heimkinoniveau und siehe da, der Frequenzverlauf kann sich schon eher sehen lassen. Man weiss also grob, was man machen müsste, damit man aus dem Rohraum eine akustisch ansehnliches Heimkino herstellen kann…




    Auf dieser Basis kann man nun weiter aufbauen. Im Grunde genommen, gibt es ziemlich einfache Grundregeln, wie man einen Raum mit Absorbern und Diffusoren behandeln sollte, um ein optimales Sounderlebnis zu erzielen. Ich habe hier aber keine Lust das Rad neu zu erfinden und verweise einfacherweise auf einige Varianten, die meines Erachtens sehr durchdacht und sinnvoll erscheinen…


    Aufwändiges Akustikkonzept

    Diese Variante von Andi (Klick Mich) ist eigentlich der Königsweg für den sehr anspruchsvollen Heimkinoenthusiasten, der wirklich keine Kosten und vor allem Mühen scheut. Der Aufwand für den Aufbau der Bafflewall, die Integration der LS in diese BW, die Anwinklung der LS und der BW auf den Hörplatz, Plattenresonatoren, Diffusoren, etc. pp sind nicht zu verachten, bringen aber wohl auch die absolute beste Soundperformance. Ich denke, dass sich dieser Aufwand allerdings auch erst ab einem „bestimmten“ High-End Equipment lohnt, da erst eine gewisse Ausstattung die Vorzüge dieser aufwändigen Kinogestaltung zu Tage fördert.




    1 Bassfalle oder auch auf den Hörplatz angewinkelte Bafflewall – Raumhohe Türme aus Steinwolle oder Basotect bzw. Unendliche Schallwand
    2 Bafflewall
    3 Absorber z.B. Schlitzplattenabsorber mit porösen Absorbern davor.
    4 Poröse Breitbandabsorer ca. 100 cm hoch in Ohrhöhe. oberhalb und unterhalb diffusierend.
    5 Bassfalle
    6 Geräterack, Stauraum
    7 Plattenschwinger in Kombination mit porösem Material.
    8 DVD Regal, Beamerschrank, Diffusor

    Der vielfach bewährte Ansatz

    …den man aber auch sehr gut mit dem „Königsweg“ verschmelzen kann. Wer diesem Ansatz folgt macht eigentlich alles richtig. Man erhält ein absolut perfektes Klangbild, wenn man die einzelnen akustischen Massnahmen mit Kontrollmessungen überwacht und im Endeffekt nicht überdämmt. Die folgenden Varianten habe ich lediglich verlinkt, da die Zeichner und Entwickler der Entwürfe definitiv einen grossen Dank verdient haben und es sich auch sonst viele interessante Details in diesen Threads finden lassen:

    ...Klick Mich...

    Für das gleiche Konzept gibt es viele schöne Versionen von unterschiedlichen Perfektionisten, von denen ich die zwei besten hierhin einfach mal verlinke:

    ...Klick Mich...

    ...Klick Mich...

    Ziele der akustischen Massnahmen

    Auf Basis einer weiteren (Erklärung) von Andi (Latenight) gehe ich kurz auf das Thema Nachhallzeit ein.

    Im Heimkino möchte man ein möglichst linearen Frequenzverlauf gepaart mit einer für Kinos typischen Nachhallzeit erzielen. Die Nachhallzeit eine wichtige raumakustische Kenngröße und ist von den Reflexionen des Abhörraumes abhängig. Sie wird in Millisekunden (ms) gemessen. Bei Aufnahme-, Regieräumen und Heimkinos sollte die Nachhallzeit möglichst gering sein, um die Aufnahme bzw. die Lautsprecherwiedergabe wenig durch Raumreflexionen zu beeinträchtigen. Man spricht hier von einem Zielwert von 200-300 ms.

    Mit der sogenannten RT60 Messung wird ermittelt, wie lange der Schall benötigt, um nach einem plötzlichen Verstummen einer Schallquelle um 60 dB abzuklingen. In dem Diagramm sieht man von links nach rechts den Frequenzverlauf, von unten hoch nach oben der Zeitverlauf (1 Sekunde = 1000 Millisekunden). Die RT60 Messungen geben einen guten Eindruck der Nachhallzeit bis Zur Schröderfrequenz.



    Neben der RT60 Messung eignet sich auch der "Wasserfall" sehr gut um die Nachhallzeit in Abhängigkeit der Frequenz anzuzeigen. Die Raummoden unter etwa 100 Hz können durch die Wasserfallmessungen besser sichtbar gemacht werden. Plattenschwinger oder Helmholzresonatoren können somit besser auf die Problemfrequenzen abgestimmt werden. Hier der Wasserfall von Andis Kino, gemessen mit Room EQ.




    Hier wird idealerweise von 30/40dB - bis 100/110dB skaliert. Unter 30dB beginnt meist das Grundrauschen. Der Pegel von der Messung liegt bei etwa 80dB, Frequenzbereich 20 - 200 Hz. Angestrebt wir eine NHZ von maximal 300ms. Daher die entsprechende Skalierung dazu.
    Letzte Änderung: 20 Dez 2018 10:07 von Usel20.
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    Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:05 #6

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    Akustische Module

    Zur Erreichung des beabsichtigten akustischen Ergebnisses setzt man vorrangig folgende akustische Module oder Bausteine ein. ...Acoustic Frontiers...

    BaffleWall

    Die ausführlichsten Informationen zum Bau eine Baffle Wall erhält man definitiv bei Acoustic Frontiers.
    Ganz vereinfacht ausgedrückt, handelt es sich hierbei um eine unendliche Schallwand, in die die Lautsprecher eingebaut werden. Die Schallwand der Lautsprecher schliesst bündig mit der BW ab und dadurch werden..
    • rückwärtige Reflexionen von der dahinter liegenden Rückwand vermieden,
    • die Bassanteile der Lautsprecher um bis zu 6dB verstärkt (baffelstep removal),
    • ungewünschte Diffraktionen von den Lautsprechergehäusen vermieden.

    Um von diesen Vorteilen profitieren zu können, müssen allerdings auch die Lautsprecher für diesen BW Einbau geeignet sein. Ideal sind hier Aktive Lautsprecher, da man direkt per DSP den Frequenzverlauf anpassen kann.

    Den weiteren Text klaue ich mal von Cr4ig, der die Vorteile der BW ...hier... noch etwas ausführlicher geschildert hat:

    Eine BW macht dann Sinn, wenn man nicht den nötigen Platz hat, LS frei (sprich mindestens 1 m entfernt von jeder Wand) aufstellen zu können und man aber genügend Tiefe im Raum hat, den LS in der Wand integriert zu bekommen. Dadurch, dass ein LS zu nah an der Wand steht, kommt es durch zusätzliche Reflektionen an den Seiten- und Nebenwänden zu Überlagerungen bzw. Auslöschungen. Sprich der Schall wird vom Gehäuse des LS (natürlich wesenlich leiser) an die Seiten und Rückwand abgegeben. Von dort prallt er ähnlich wie bei einem Spiegel (einfallswinkel = austrittswinkel) von der Wand ab, und überlagert sich mit den nach vorne abgegeben Schallwellen des LS. Das führt dann zu Verfälschungen, welches in einer Frequenzkurve zu Bergen und Tälern führt (Überlagerungen / Auslöäschungen). Damit diese Reflektionen gar nicht mehr die vordere Schallfront beeinflusst, wird eine harte, idealerweise auch aus unterschiedliche Materialien aufgebaute (2 x Rigibs / 1 x OSB) Wand konstruiert. Die BW selbst darf daher auch nicht schwingen oder durch die LS angeregt werden. Gewicht, Poröse Zwischendämmung wie Steinwolle und Versteifungen sind hier die wichtigsten Punkte. Zusätzlich kann man die LS auf die gewünschte und passende Höhe bringen.

    Bei LS mit oder ohne Bassreflex kommt es darauf an, wohin das Bassreflex zeigt. Zeigt es nach vorne, kann es je nach belieben und Frequenzkurve geschlossen werden oder weiterhin geöffnet bleiben. Manche mögen einen etwas fetteren Bass, manche nicht. Bei Bassreflex nach hinten zur Rückwand, sieht es ähnlich aus, wobei das hintere Rohr schon viel an Intensität durch die Bafflewall verliert. Hier sollte man ebenfalls schauen, was einem gefällt bzw. dass man mit geeignetem Messequipment, DSP oder einfachem verschließen des Bassrefelexrohres, einen linearen Frequenzgang erreicht. Fakt ist, LS nah der Wand (egal ob mit oder ohne BW) führt zu einer Steigerung im Bass. LS mit Bassreflex steigern dies noch einmal, da sie deutlich tiefer spielen.

    Bei einer offenen Baffle wall, also ohne schallharte Front, bei der "nur" die Zwischenäume mit Dämmung gefüllt sind, kann es je nach Frequenz immer noch dazu führen, dass Überlagerungen / Auslöschungen auftreten. Vermutlich eher im Tieftonbereich, da dies der schwerste zu beinflussende Bereich ist. Mit dieser Ausführung hat man den Zustand erreicht, dass der LS Virtuell weiter von der Wand weg ist. So sind die Reflektionen je nach Frequenz deutlich besser, als wenn keine Dämmmaterialen eingesetzt würden. Wenn man allerdings wirklich nur das reine Signal vom LS hören will, kommt man um eine sauber umgesetzte BW nicht drum herum.

    Aufbau meiner Bafflewall:
    ...Unterkonstruktion...
    ...Subwoofer einbringen...
    ...Befüllung mit Steinwolle...
    ...Schallharte Front (Schichtaufbau)...


    Absorber

    Der Absorber dient dazu die Nachhallzeit bestimmter Frequenzen im Raum zu reduzieren. Dienlich dafür sind bestimmte Materialien, die sich für unterschiedliche Anwendungen einsetzen lassen. FoLLgoTT, der auch ab und zu hier im Forum unterwegs ist, hat mal eine super Zusammenfassung über den Einsatz "Verschiedene Absorbermaterialien für den Bassbereich" verfasst.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass Sonorock mit einem längenbezogener Strömungswiderstand von 6.000 Pa*s/m² die optimalen Ergebnisse für die Eindämmung des Bassbereichs liefert, wenn man denn reichlich davon einsetzt.

    Basotect ist das ideale Material zur Eindämmung der mittleren und hohen Frequenzen an den Erstreflexionspunkten mit einem durchschnittlichen längenbezogenem Strömungswiderstand von 14000 Pa*s/m². 5-10cm Dicke erzielen bereits ganz brauchbare Ergebnisse. Auf Grund der schaumartigen Struktur (kein Faserflug) kann das Material einfach so im Raum verwendet werden. Basotect ist allerdings auch die etwas „kostspieligere“ Dämmvariante. Ein Produkt, dass ähnlich gut absorbiert, ist Aixfoam. Es ist eher ein Schaumstoff und weniger formstabil kann aber dafür in verschiedenen Farben gekauft werden und ist ein wenig günstiger. Als günstigstes Absorbtionsmaterial für Erstreflexionen eignet sich sonst Termarock 50 (16500 Pa*s/m²), wobei man hier dann einen ziemlichen Aufwand für Rahmenbau und Faserflug-Eindämmung betreiben muss. Ansonsten gibt es auch fertige Absorber zu kaufen, die aber preislich dann ziemlich abgehoben sind.

    Bezugsquelle:

    Kalkulieren kann man die Auswirkung bestimmter Materialen in unterschiedlichen Dicken (mit und ohne Wandabstand) mit dem Porous Absorber Calculator. Ich habe hier mal die Kalkulation für Basotect, Termarock 50 und Sonorock für 5, 10, 30 und 50cm Dicke erstellt. Man erkennt gut, wie mit zunehmender Absorberdicke auch der Absorbtionsanteil gerade im Tiefbass zunimmt, wobei Basotect und Thermarock nur bis zu einer gewissen Dicke Sinn machen. Über ca. 25-30cm nimmt die Absorption nicht weiter zu.












    Viel Wirkung zeigt bei Absorbern auch immer der Luftspalt zwischen Absorber und der Rückwand. So kann z.B. durch den Einsatz von Basotect und einem gleichdicken Luftspalt, in diesem Beispiel für 5 und 10cm, die Funktion der Absorbers verdoppelt werden. Dies ist eine sehr günstige Optimierungsmöglichkeit.








    Richtige Absorberposition

    Als kurzen Exkurs für die Anbringung der Absorber, kann ich hier diesen Artikel empfehlen. Es geht hier vorrangig, um die Verwendung der Spiegelmethode (eine Person läuft mit einem Spiegel an den Wänden entlang, während eine andere Person auf dem Referenzplatz sitz und überall dort, wo ein Lautsprecher sichtbar ist, sollte die Wnd grossflächig mit Absorbern versehen werden):

    ...Klick Mich...

    Theoretisch kann man diese Erstrefelexionspunkte auch mit einem sogenannten Raytracing Tool, berechnen: ...Raytracing Tool...

    Hier legt man seinen rechteckigen Raum in einfach bedienbaren Nutzeroberfläche an bzw. lädt seine Raumskizze einfach in das Tool hoch, positioniert eine Schallquelle und die Hörposition, legt die Anzahl der Reflexionen auf 1 max 2 fest und schon sieht man an welchen Stellen im Raum die Reflexionen erfolgen. Über die "Zeichenfunktion" kann man dann auch genau nachmessen, wo diese Punkte im Raum liegen.

    Hier mal ein simples Beispiel zur Veranschaulichung:

    Letzte Änderung: 20 Dez 2018 15:17 von Usel20.
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    Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:05 #7

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    Plattenresonatoren

    Plattenschwinger oder auch Plattenresonatoren sind Konstruktionen nach dem Feder-Masse-Prinzip, die der Schallabsorption dienen.
    Ich empfehle die Verwendung einer Schwerfolie aus Linoleum in einer Stärke von 3,2 mm (Forbo Marmoleum 3.2mm). Damit habe ich selber bereits gute Erfahrungen während meines Bauprojektes gemacht. Dieses Material hat dann ein Flächengewicht von 3,8 Kg pro qm und ist noch nicht so dick und steif, dass es nicht mehr schwingen kann. Durch die Befüllung mit Mineralwolle wird er noch breiter abgestimmt, von etwa 30 - 100 Hz. In der nachfolgenden Grafik von Baunetzwissen lässt sich die Wirkungsbereich gut ablesen.



    Quelle: Baunetzwissen.de (Klick Mich)

    Berechnen lassen sich diese hocheffizienten Absorber auch mit dem Tool von mh-audio (Klick Mich). Entweder kann man über die Tiefe, also den Abstand der schwingenden Fläche von der Wand, und das Panelgewicht die Wirkfrequenz berechnen oder über die Masse und die benötigte Abstimmfrequenz den nötigen Wandabstand.





    Klar ist, dass man schon einiges an Fläche mit diesen Absorbern versehen muss, damit eine entsprechende Wirkung eintritt. Bei mir sind z.B. knapp 4m2 der Rückwand mit knapp 40cm tiefen Plattenresonatoren ausstaffiert und diese wirken nun extrem breitbandig von 30 bis weit über 100Hz. Vorteil dieser akustischen Massnahme ist, dass der Tiefbassbereich schon bei wenig Wandabstand sehr effektiv geglättet wird, ohne dass der Hochton zu stark bedämpft wird, wie es z.B. bei dem Einsatz von 50-70cm Sonorock, welches nötig wäre, um den gleichen Effekt zu erzielen, der Fall wäre.

    Bau und Messung meiner Plattenresonatoren:
    ...1...
    ...2...
    ...3...
    ...4...
    ...Messungen...



    Helmholzresonator

    Da dieser Resonator auch zur gezielten, akustischen Bekämpfung bestimmter Frequenzen geeignet ist, führe ich diesen hier auch auf. Er wird allerdings nur sehr selten eingesetzt, da die Abstimmung doch eher etwas tricky zu sein scheint. Manche Profi-Installateure setzten diesen Resonatoren allerdings ziemlich häufig ein.

    Im Grunde genommen sprechen wir hier einfach über eine Holzkiste, die ein bestimmtes Volumen und eine berechnete Öffnung haben muss, und das Zusammenspiel beider Variablen führt zu einer Absorption gewisser Frequenzen (Resonanzfrequenz). Im Gegensatz zum Plattenresonator ist die Abstimmfrequenz des Helmholzresonators eher schmalbandig. Hunecke hat das Konzept ...(hier)... ganz gut umschrieben.
    Berechnen lässt sich das Ganze auch mit den oben bereits erwähnten Calculator von MH-Audio.

    Für die Konzeption und das "Tunen" eines Helmholtzresonators ist dieser Thread ...hier... sehr gelungen.


    Diffusoren

    Im Gegensatz zu den vorher aufgeführten Absorbern macht ein Diffusor nix anderes als einfallende Schallwellen zu zerstreuen, mit dem Ziel, dass die Ortbarkeit der ursprünglichen Schallquelle verhindert oder zumindest erschwert wird.
    Es gibt hier verschiedene Varianten von Diffusoren und ich verweise hier einfachheitshalber auf Wikipedia - (Klick Mich)

    Die gängigen Diffusoren sind:

    1D Diffusor – Quelle Hofa Akustik





    2D Diffusor – Quelle www.schmiedeberg7tonstudio.de





    Skyline Diffusor - z.B. die Bigfusor (Quelle)


    Letzte Änderung: 16 Mai 2019 01:51 von Usel20.
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    Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:05 #8

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    Design des Heimkinos

    In Bezug auf das Design des eigenen Kinotraums wird es natürlich sehr schwer Empfehlungen auszusprechen, denn nahezu jeder hat ja einen unterschiedlichen Geschmack. Ein wenig Anregung kann man sich in unserem Heimkinoschrein holen.

    Über einen Punkt im Kino kann und muss man sich allerdings nicht streiten, die Farbe…

    Ein Kino sollte möglichst dunkel gestaltet werden, damit der Beamer auch sein volles Potential ausspielen kann. Jegliches Streulicht ist Gift im Kino, da es den In-Bild-Kontrast des Bildes verringert, denn die Reflexionen von Wand und Boden spiegeln zurück auf die Leinwand und verfälschen das Bild. Daher sollte vor allem im Bereich um die Leinwand vornehmlich eine dunkele Farbe oder noch besser dunkler Stoff verwendet werden.

    Projection-Dream hat hierfür mal einen VW520es im gleichen Raum mit unterschiedlichen Optimierungsmassnahmen gemessen (1: weisse Wände, 2: schwarze Vorhänge und Boden, 3: an der Linse gemessen). Bei einem nicht-optimierten bricht hier der Kontrast im Vergleich zu einem optimierten Raum zwischen 5 und 50% Weissanteilen im Bild um mindestens 80% ein. Das zeigt wie wichtig eine Streulichtoptmierung im Kino ist. Hier sind die Details nachzulesen.





    Stoffe für die Wandverkleidung

    Ein grossflächig angebrachter Stoff sollte akustisch nahezu neutral sein, damit der Ton auch nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, denn Stoff absorbiert vornehmlich nur den Hochton, was dem Raum die Luftigkeit und Brillanz nehmen kann. Es würde sich sehr dumpf anhören.

    Vor den Lautsprechern sollte man idealerweise nur Lautsprecherbespannstoff verwenden, da diese oft nur 1-2 dB schlucken. Der beste Stoff in Bezug auf die Haptik und das Aussehen ist bei Akustikstoff.com zu beziehen (Breite 150cm). Es gibt noch andere Akustikstoffe, die weniger absorbieren (Schaumstoffdiscounter, Hollywood zu Hause) aber die sind sehr dünn und nicht wirklich blickdicht. Vorteil dieser Stoffe sind allerdings die Rollenbreite von 2m beim Schaumstoffdiscounter und sogar 3m beim Hollywood Stoff.

    Um die Leinwand herum empfiehlt sich Samtstoff, da diese extrem gut Licht schlucken, und wenn der richtige Stoff gewählt wird auch die Hochtonabsorbtion nur im Bereich von 3-4dB liegt. Die besten Stoffe heissen Devore (Bezugsquelle) und MVEL22 (Bezugsquelle). Einziges Problem mit den Stoffen ist, dass diese nur 112cm breit sind, was man definitiv in die Raumplanung einfliessen lassen muss. Meine Suche nach einem breiteren Stoff, der akustisch und optisch gleichwertig ist, ist leider vergeblich geblieben, obwohl ich knapp 20 verschiedenen Stoff begutachtet habe.

    Passende Messungen zu all diesen Stoffen hierzu gibt es von Nilsens, die leider nur in einem anderen Forum gepostet wurden.
    ...Klick Mich...

    Eine Bildvergleich von ganz vielen verschienden Stoffen, findet man von Anna und Flo Hier und weil es einfach ist, füge ich auch grade das Bild ein..



    und noch ein Bild, auf dem auch das MVEL22 abgebildet ist (Quelle):


    Letzte Änderung: 04 Jan 2019 07:50 von Usel20.
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    Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:05 #9

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    Raumklima im Kino

    Ein ideales Raumklima herrscht bei einer Raumtemperatur von 18-22°C und einer Luftfeuchtigkeit von 50% vor.
    Die meisten Heimkinos sind entweder in einem Keller oder im Dachgeschoss aufgebaut und oft ist entweder die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit ein Problempunkt.

    Im Dachgeschoss hat man meist ein Klimatisierungsproblem im Sommer, denn bei schnuckeligen 35°C hat niemand Lust im Kino zu sitzen, es sei denn man hat drinnen eine Klimaanlage. Daher sollte man über eine Klimaanlage nachdenken und dafür am besten einen Fachmann konsultieren. Vorteil der Klimaanlage ist nicht nur die Einhaltung einer konstanten Raumtemperatur, sondern auch die Absenkung der Luftfeuchtigkeit bedingt durch die Kühlung. Die Geräte sollten am besten möglichst leise sein und so im Raum angebracht werden, dass man auf den Sitzplätzen nicht in der Zugluft sitzt. Mittlerweile gibt es auch schwarze Inverter, die dann kinotauglich sind. Ansonsten hat man im Dachgeschoss weniger Klimatische Problemstellen, wie im Keller.

    Im Keller ist es so, dass im Sommer die warme Luft, die mehr Luftfeuchtigkeit als kalte Luft aufnehmen kann, an den kühleren Wänden im Innenraum, gerade hinter wandnahen Installationen kondensiert, was dann der ideale Nährboden für Schimmel wäre. Um dem entgegenzuwirken sollte man im Sommer nie im Heimkino lüften, wenn die Aussentemperatur höher als die Innentemperatur ist. Da im Kino ja aller Hand Material verbaut ist, wie z.B. Podeste, Absorber, Diffusoren, Deckenfries, Leinwand, und und und gibt es genügend Stellen, an denen eine dauerhafte Luftzirkulation nicht möglich ist. Mit einem entsprechenden Entfeuchter kann man zwar diesem Feuchtigkeitsproblem entgegenwirken, daher setzt ich auch im Sommer ein solches Gerät ein, dass die Luftfeuchtigkeit konstant bei 55% hält, aber es ist keine Sicherheit, dass sich in ziemlich verborgenen Ecken Wasserstellen bilden. Sollte es solche kririschen Stellen geben, würde ich dort einen Sensor installieren, um dieses Gebiet dauerhaft im Auge bahalten zu können.

    Um wieder einmal auf die Theorie einzugehen, kann man mit dem Taupunktrechner von ...Ubakus... gut erkennen, ab wann ein Kondensatproblem auftreten kann. Dafür muss man nur seinen Wandaufbau kennen und schon kann man loslegen:

    Bei meinem Raum sieht der Wandaufbau ungefähr so aus.



    Setze ich nun eine gut hinterlüftete Sonorock Matte an die Erstreflexionspunkten passiert nix..



    Kann die Luft hinter der Platte allerdings nicht zirkulieren, dann besteht bereits Schimmelgefahr..



    Würde ich die Sonorockmatte dann noch direkt auf die Wand applizieren, dann hat man ein 100%iges Problem...




    Lüftungsanlage

    Welcher Kinobesitzer kennt es nicht, dass man gerade einen Film schaut und von diesem voll und ganz gefesselt ist. Nach einer rasanten Verfolgungsjagd stellt der gute Typ im Film grad den Bösewicht und der Regisseur holt zum finalen Showdown aus. Ein heftiger Schlagabtausch, der einem mit dem krassen Punch und Tiefbass schier die Luft aus den Lungen treibt. Man ist so tief im Film drin, dass man die Welt um sich herum komplett vergisst. Man ist quasi der Held, der die Welt retten muss. Man(n) hat eine Mission und ich bin der einzige, der das bewerkstelligen kann. Nix und niemand kann mich jetzt aufhalten… bis es auf einmal von links heisst… „Duuuu Schaaaattzzzzz, ich müsste mal schnell aufs Klo“.

    :beat_plaste :beat_plaste

    Ein astreiner Coitus interruptus für den Heimkinoenthusiasten.. :hell_boy: aber naja, das menschliche Bedürfnis des holden Weibes geht vor. Also bricht man den Film ab, ist wieder der kleine unbedeutende Heimkinobesitzer von nebenan und wenn man eh schon ne Pause machen muss, kann man sich auch grad nen Bierchen holen. Bei der Rückkehr in den Kinoraum muss man sich dann allerdings durch eine dicke, schummrige Wand schlechter Luft in den Sessel zurückkämpfen. Dich, als Held, lässt das aber nicht weiter mit der Wimper zucken. Mann muss was Mann muss! Die allerdings dann zurückkehrende Prinzessin würdigt die Luftqualität mit einem lapidaren, charmanten „Duuuuuuu Schaaaaaatz hier stinkt es ja, wie in einem Pumakäfig. Pfuii!! Ich mach mal für die nächsten 10 Minuten das Fenster auf.“ Und fortan muss man die Lautstärke entsprechend runterregeln, damit die Nachbarn nicht die Polizei wegen einem gefährlichen Schusswechsel im Nachbarhaus rufen.

    Um dieses Problem zu umgehen, sollte sich jeder sehr gut überlegen, ob ein Heimkino überhaupt ohne Lüftung Sinn macht. Denn selbst in einem grösseren Raum ist nach 1-2 Stunden die Luftqualität dermassen schlecht, dass Frischluft in irgendeiner Art und Weise zugeführt werden muss. Im Sommer kann das aber bei direkter Luftzufuhr von draussen, auch zu Schimmelproblemen führen, denn die warme Luft von draussen kann an den kühleren Wänden im Innenraum, gerade hinter Wandnahen Installationen kondensieren und das wäre der ideal Nährboden für Schimmel.

    Somit empfiehlt es sich eher eine Lüftungsanlage zu installieren, die im Idealfall Luft aus einem gleichtemperierten Nebenraum ansaugt. Die Neuwohnheimbesitzer haben hier oft eine aktive Wohnraumbelüftung zur Verfügung, an die der Kinoraum bereits angeschlossen ist. Wer sowas hat, hat Glück. Alle anderen müssen etwas manuelles aufbauen. Perfekt dafür geeignet sind die Radiallüfter von Soler & Palau (TD125, TD250, TD500), wobei man den benötigten Volumenstrom folgendermassen berechnen kann (an Hand meines Raumes):


    • Generell wird empfohlen, dass die Raumluft 5-6x pro Stunde getauscht werden sollte. Mein Raum hat ein Volumen von 7.15m x 5m x 2.8m = 100.1 m³/h, was dann bei 5 fachen Lufttausch 500 m³/h entspricht.
    • Ein anderer Wert besagt, dass pro Person ein Mindestluftwechsel von 30 m³/h einberechnet werden soll (Vorgaben für den Arbeitsplatz), was bei meinen 5 Sitzplätzen 150m³/h pro Stunde entspricht.
    • Bei Vollbesetzung wäre bei mir die Luft also nach knapp 40 Minuten, nach den obigen Vorgaben verbraucht
    • Beim Einsatz meines TD500 mit einem Volumenstrom von 580 m³/h (high mode) bzw. 430 m³/h (low mode), wird die Luft im Raum zwischen 4.3x und 5.8x getauscht bzw. der benötigte Volumenstrom von 150 m³/h mehr als 3x abgedeckt.
    • Dies ermöglicht mir es den absolut überdimensionierten Lüfter auf einer niedrigen, nahezu unhörbaren Stufe laufen zu lassen.

    Der Einsatz von gedämmten Lüftungsrohren mit geeignetem Durchmesser (mindestens 100-125mm) und Schalldämpfern ermöglicht es, dass die Geräusche vom Lüfter nicht in den Raum eintreten und das anders herum die Geräusche aus dem Kino nicht nach aussen gelangen. Allerdings ist die gesamte Installation mit Wanddurchbrüchen (Kernbohrungen) etc. verbunden, was nicht jeder machen kann oder will.





    Mein Kino

    ...Wanddurchbruch...

    ...Installation...

    ...Lüftungsrohr im Fries...
    Letzte Änderung: 19 Dez 2018 15:49 von Usel20.
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    Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:05 #10

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    Kabel

    Im Kino gibt es meist 3 wichtige Arten von Kabeln. Lautsprecher-, HDMI und XLR/Cinch Kabel. Auch wenn ich sehr viele, teils auch lustige Artikel über die Produktbeschreibungen, Kabelklang und andere Anpreisungen gelesen habe, will ich nicht näher drauf eingehen. Wer aber etwas Spass am Lesen hat, sollte sich mal ein wenig auf die Internetreise nach diesen Themen machen.


    Lautsprecherkabel

    Ich habe viele unterschiedliche Threads über Kabelquerschnitt und verwendete Materialien gelesen. Die Meinungen gerade in Bezug auf das verwendete Material, den Aufbau der Litzen, die Verdrillung etc. gehen weit auseinander. In Bezug auf das Material gibt es OFC, CCA und SPOFC Kabel.

    • CCA steht für Copper Claded Aluminium und es handelt sich um mit Kupfer bedampftes oder überzogenes Aluminium. Bei extrem kurzen Leitungslängen oder wenig Anforderung an die Kette kann auch das verwendet werden.
    • OFC steht für Oxygen Free Copper und dies ist ein nahezu 100% (also 99.99%) reines Kupfermaterial
    • SPOFC (Silver Plated Oxygen Free Cooper) ist einfach OFC mit einer weiteren Silberschicht und soll die Leitfähigkeit auf dem Aussenmantel, also den Skineffekt positiv beeinflussen. In der Realität gibt es den Skineffekt nur im Hochfrequenzbereich und das hat nix mit dem Lautsprecherkabel zu tun, da wir uns hier „nur“ bis 20kHz bewegen.

    Faktisch ist es so, dass ein 2.5mm2 Kabel aus reinem Kupfer nahezu alle Heimkinoinstallationen perfekt abdeckt. Wer viel mehr Leistung oder viel längere Abstände zwischen LS und Verstärker überbrücken möchte, kann gerne auch auf 4 oder 6mm2 zurückgreifen. In Bezug auf das Kabelmaterial ist der Preisaufschlag von CCA auf OFC Kabel nicht so gross, dass man an dieser Stelle sparen sollte. Vor allem müsste man eh den nächst grösseren Querschnitt des CCA Kabels wählen, um eine „ähnliche“ Performance des OFC Kabels zu erreichen, was den Preisabstand noch weiter verkleinert. Ob Verdrillung oder spezielle Shields im Kabel benötigt werden, ist eine Religionsfrage. Ich für meinen Teil habe einfach darauf geachtet, dass kein Stromkabel mit dem LS Kabel kreuzt, alles andere halte ich für überflüssig.

    Für das Kabellängen-Querschnittsverhältnis habe ich mal diese Vorgaben gefunden, die ich eigentlich ganz passend finde (Quelle) :

    Die Prämisse bei der Auswahl des Querschnitts bei LS-Kabeln ist es, beim Gesamtwiderstand der Leitung möglichst unter 0,1 Ohm zu bleiben. Dazu mal folgende Aufstellung als Richtwert:

    • Widerstand 1,5 mm² bei 1m = 0,0240 Ohm, 10 m = 0,240 Ohm, (100 m = 2,40 Ohm, 1000 m = 24,0 Ohm)
    • Widerstand 2,5 mm² bei 1m = 0,0144 Ohm, 10 m = 0,144 Ohm, (100 m = 1,44 Ohm, 1000 m = 14,4 Ohm)
    • Widerstand 4,0 mm² bei 1m = 0,0090 Ohm, 10 m = 0,090 Ohm, (100 m = 0,90 Ohm, 1000 m = 9,0 Ohm)
    • Widerstand 6,0 mm² bei 1m = 0,0060 Ohm, 10 m = 0,060 Ohm, (100 m = 0,60 Ohm, 1000 m = 6,0 Ohm)

    Daraus ergeben sich folgende (max.) Längen:
    • Bei 1,5 mm² bis etwa 4 m
    • Bei 2,5 mm² bis etwa 7 m
    • Bei 4,0 mm² bis etwa 11 m
    • Bei 6,0 mm² bis etwa 17 m

    Noch kurz zur unterschiedlich langen Lautsprecherkabeln in der gesamten Wiedergabekette (z.B. Linker Main 5m Kabel, rechter Main 3m). Ich persönlich habe es vermieden, unterschiedliche Lange Kabel zu verwenden. Da aber der Strom in den Kabeln annähernd mit Lichtgeschwindigkeit (299 792 458 m/s) fließt, ist der Laufzeitunterschied von ein paar Metern bestenfalls rechnerisch nachzuweisen. Somit ist das eigentlich Schwachsinn, aber für mein Gewissen und wegen der paar Euro wollte ich hier kein „Risiko“ eingehen.

    Gute Kabel gibt es bei Thomann, z.B. das CLS225 oder CLS240
    Ich habe das Inline CU Kabel in 2.5mm (Atmos), 4 (LCR + Rear) und 6mm2 (Subwoofer) verwendet und kann mich nicht beschweren


    HDMI Kabel

    Hier muss man klar unterscheiden, ob man ein Full HD oder 4k Bild übertragen möchte.
    Auch die Abstände zwischen Player, Receiver und Beamer sind dann massgeblich für die Kabelwahl.
    Bei den neuen Projektoren würde ich eigentlich IMMER zur Nutzung eines Glasfaser HDMI Kabels raten, vor allem wenn strecken jenseits der 5m überbrückt werden müssen. Die Lichtleiterkabel weisen quasi keine Verluste auf und stellen daher sicher, dass auch wirklich ein Bild zwischen Player und Beamer ohne Unterbrüche, Artefakte und Bildruckler oder Ausfälle zustande kommt. Die Kabel kosten zwar ab 100€ aufwärts, aber dafür hat man direkt Ruhe und ist meist auch für weitere Upgrades gewappnet.

    Empfehlen kann ich hier das U-Green, welche sich schon vielfach bewährt haben. Ansonsten gibt es noch das Monoprice Kabel, über das auch viel zu lesen ist, aber von der Beschaffung her schwieriger ist.

    Für normales HD Signal reichen meist auch die "günstigen" kupferbasierten Kabel aus, aber auch hier kann es ab einer bestimmten Übertragungsdistanz zu Problemen kommen. Testen ist also Pflicht.

    Für Tonübertragung über HDMI kann, so weit ich weiss, jedes x-beliebige Kabel eingesetzt werden.


    XLR/Cinch Kabel

    Hier gibt es aus meiner Sicht nicht viel zu sagen. Ich habe günstige XLR Kabel (Splitter, Jumper, etc) bei Thomann von Cordial gekauft und die funktionieren einwandfrei. Auch habe ich mir eigene Kabel aus extrem hochwertigen Komponenten zusammengelötet. Tja und was soll ich sagen.. Beide funktioneren und ich höre trotz einer sehr hochwertigen Kette keine Unterschiede. Vielleicht zeigen sich hier Unterschiede in den Details erst ab Equipment im 5 oder 6 stelligen Bereich, aber da dort wohl kaum jemand unterwegs ist, sollte man hier einfach auf gängiges Material zurückgreifen.
    Letzte Änderung: 30 Dez 2018 08:50 von Usel20.
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    Hushbox

    Bedingt durch die Raumgestaltung kann es sein, dass sich die vom Beamer verursachten Betriebsgeräusche störend auf das Heimkinoerlebnis auswirken. Meistens handelt es sich hier um die durch die Kühlung des Beamers verursachten Strömungsgeräusche der Lüfter und/oder die E-Shift und Filterfunktionen. Beides kann aber je nach Geräuschempfindlichkeit des Nutzers in leisen Szenen ablenken und den Filmgenuss trüben. In diesem Falle bietet es sich an, über den Bau einer Hushbox (aus dem Englischen = Still, leise) nachzudenken.

    Im Grunde genommen, handelt es sich hierbei einfach um eine schallgedämmte Kiste, bei der der Zuluft- und Abluftpfad so gestaltet wird, dass keine Geräusche des Beamers nach aussen dringen und zudem dennoch eine ausreichende Belüftung und Kühlung dieser teuren Heimkinokomponente gewährleistet ist.

    Eigentlich gibt es hier zwei Ansätze:
    • - Anschluss der Hush-Box an das Belüftungssystems des Heimkinos
    • - Separate Regelung der Belüftung der Box mit Hilfe einer PC Lüfter Steuerung

    Die Box sollte idealerweise so gross gestaltet werden, dass bei einem Tausch des Projektors nicht direkt eine Neue gebaut werden muss. Wenn ich hier zum Beispiel dran denke, wie massiv die neue JVC N Serie gegenüber den alten X Serie in die Höhe gewachsen ist, dann bin ich froh, dass ich mit den Abmessungen von B 800mm x H 400mm x T 700mm geplant habe, wobei ich sogar die Tiefe jetzt noch problemlos auf 850-900mm erhöhen kann, falls dann doch mal ein VW5000 einzieht. ;)

    Bei meinem Kino habe ich das Ganze an die sowieso angedachte Raumbelüftung angeschlossen. Die Kiste ist einfach aus 19mm MDF aufgebaut und innenliegend mit Schaumstoff gedämmt. Der Lichtpfad wurde mit dem bewährten Schott Miroguard Glas (alternativ Schott Countouran Magic) geschlossen. Die Luft wird aktiv über einen grossen 160mm Radiallüfter vom Raum durch die Hushbox abgesaugt und die Temperatur in der Box befindet sich dauerhaft auf Raumtemperatur.

    Bilder zum Aufbau gibt es hier:

    ...1...
    ...2...
    ...3...




    Soll die Box aktiv über eine Lüftersteuerung belüftet werden, bei der dann auch die Zuluft- und Abluftwege etwas kürzer ausfallen, muss etwas mehr Hirnschmalz in den Aufbau der Box gesteckt werden. Als Beispielaufbau kann sich definitiv der Thread von einem User aus dem Nachbarforum sehen lassen (Klick Mich), in dem allerdings dann auch sven29da aus unserem Forum seine Kreation vorstellt (Klick Mich).

    Hier die Hushbox des Users:




    und von Sven:





    In Bezug auf die Auswahl der Komponenten aus der Welt der PCs kann ich nix zusteuern, aber es gibt auch sehr gute Komplettsysteme von AC Infinity (www.acinfinity.com/), auf die man zurückgreifen kann.

    Normale Modellen
    www.acinfinity.com/receiver-amp-cooling-fans/

    über 19"
    www.acinfinity.com/rack-fan-systems/

    bis hin zu Raumbelüftungen
    www.acinfinity.com/duct-fan-systems-1/
    Letzte Änderung: 27 Mär 2019 09:59 von Usel20.
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    Grundlagen für den Heimkinobau 18 Dez 2018 12:06 #12

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    Grundlagen für den Heimkinobau 19 Dez 2018 10:36 #13

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