Hallo zusammen,
was für ein schönes Vatertagsthema! Danke ((Atom)) fürs Öffnen des Threads!
Ich glaube, wir hatten vor etwa einem Jahr schon mal so eine Diskussion hier und es ist immer wieder interessant, sich zum Thema Hören und über die grundsätzlichen Unzulänglichkeiten im Zusammenwirken von Raum, Lautsprecher und Gehör auszutauschen. Es ist immer wieder schön -und ein den ganzen Mann erfüllendes Hobby- sich mit Zeit, Geld und auch Intellekt immer und immer wieder dieser Aufgabe zu stellen, da nach oben hin die Grenze noch lange nicht erreicht ist...
Versteht man unter naturgetreuer Wiedergabe auch die Wiedergabe im Originalpegel und -Spektrum der Instrumente, so kommt man meiner Erfahrung nach mit Hörnern, aktiver Trennung und digitalen Filtern am einfachsten und günstigsten zu einem akzeptabel guten Ergebnis. Spitzen mit 100…120dB SPL am Hörplatz so wiederzugeben, dass die Verzerrungen der Technik geringer bleiben, als die des eigenen Ohres und der Höreindruck kohärent bleibt, ist nur mit aktiv getrennten Lautsprechern / definiert gerichteten Hörnern wirtschaftlich darstellbar. Alles andere wird unendlich teuer und bleibt unbefriedigend. Man bekommt die Besonderheiten des Raums mit Erstreflektionen, Hallradius, Resonanzen viel leichter und einfacher in Griff, als mit Kalotten etc. und ab einer gewissen Raumgröße geht es ohnehin nur noch mit gerichteten Systemen, warum also sich das Leben in unserer kleinen HK-Welt unnötig kompliziert und teuer machen?
Wohl wissend, dass unser Ohr eigentlich auch nichts anderes ist, als ein Horn mit Treiber, nur eben umgekehrt: eine perfekt abgestimmte Einheit aus Impedanzwandler zur optimalen Anpassung des Schallfeldes an das Innenohr, das aufgebaut ist, wie ein räumlicher Fourieranalysator mit nachgelagerten adaptiven Filtern.
Selbst nach der Arbeit von Geddes, die grundlegend den Weg vom CD Horn zu den Waveguides freigemacht hat, hat es noch einige Jahre gebraucht, bis auch die maßgeblichen Hersteller die Phasenkorrektur der Treiber so hinbekommen haben, dass sich die Wellen wie vorhergesagt ausbreiten können und nicht schon im Hornhals untereinander auslöschen. Wenn die Kombination aus Treiber und Waveguide nicht an dieser kritischen Stelle aufeinander abgestimmt ist, klingt es einfach nicht. Tolle Treiber stammten zb aus Hannover von BMS oder auch das neue Design von JBL mit dem 5- teiligen Polepiece ab dem 2447 klingen perfekt mit Waveguides. Natürlich sollte man die Betriebsparameter immer innerhalb der specs wählen, also zB nicht zu tief trennen, eher mindestens eine halbe bis eine Oktave höher, je nach gewählter Filterfunktion.
Stimmt die Wellenfunktion am Hornhals nicht, kann das Waveguide nicht arbeiten.
Eine passive Weiche zu entwickeln, die die Treiber korrekt ansteuert und bei der die Gruppenlaufzeiten im kritischen Übernahmebereich nicht auseinanderdriften, ist unendlich aufwändig und rechnet sich heute einfach nicht mehr. Selbst die günstigsten Monitore, wie der 308 funktionieren aktiv und mit DSP, kosten so nur ein Bruchteil dessen, wie vergleichbar klingende Abhöre noch vor zehn Jahren und klingen im Nahbereich definitiv besser und bilden räumlich korrekt ab.
Fazit: ich bin auch nach vierzig Jahren wüster Bastelei und heftigster Rechnerei mehr denn je der Überzeugung, dass auch im Heimkino aktiv getrennte Zweiwegsysteme mit Subwoofer nicht zu schlagen sind. Mit einer Kombination aus 12“ /1“ für die Hauptlautsprecher erreicht man die Schalldrücke spielend (bei nur rd. 1% der Belastbarkeit, also im linearen Bereich praktisch ohne Verzerrungen), die Thematik mit den ersten Reflektionen gibt es bei Waveguides / Hörnern durch die definierte Richtwirkung praktisch nicht und die Fakten mit den Raummoden können dann in Zusammenwirken zwischen Subwoofern, der Raumakustik und der Aufstellposition dort relativ frei gelöst werden, wo sie auftreten.