Ich finde die Skepsis ok aber aus meiner Sicht ist eine Software, die ca. 200 € kostet kein unbedingt passender Vergleich zu dem, was hier als Freeware angeboten wird.
Ich bin kein User von MultiEQ-X, schon alleine aus dem Grund, da es nur für Windows erhältlich ist (trotz vor Jahren getätigter Ankündigung, dass es auch für Mac erscheinen solle).
Ich könnte weitere Gründe nennen, warum man ein Community-Projekt sympathischer findet als Audyssey (und Co.). Nur so viel: Es gibt durchaus (nicht wenige) Experten in Sachen DSP und DRC, die von Audyssey und Dirac nicht gerade überzeugt sind und diese Meinung aus meiner Sicht auch schlüssig begründen (muss aber ehrlicherweise gestehen, dass ich zu wenig Fachwissen in diesem Bereich habe, um mir eine eigene, fundierte Meinung bilden zu können).
Wo ich Dir vollkommen recht gebe: dass man sich mit REW und CO. auseinandersetzen sollte bzw. sogar muss. Für mich persönlich ist das kein Nachteil aber ich betreibe hier ja auch ein Hobby und habe Freude an so etwas.
Über ein Video würde ich mich trotzdem freuen und es mir auch anschauen. Obwohl ich kein MultEQ-X habe und vermutlich auch nie kaufen werde, lernt man dabei eine Menge.
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Es gibt immer verschiedene Herangehensweisen, Schwerpunkte die man setzt.
Der Schwerpunkt bei Audyssey: Eine Variante, die auch Lieschen Müller durchführen kann und die dann deutliche Vorteile bietet. OCA mag keine Korrekturen über 250 Hz, okay, akzeptiert. Es gibt aber durchaus gute Gründe doch höher zu korrigieren. Und gerade, wenn in akustisch unbehandelten Räumen vielleicht auch noch unterschiedliche Lautsprecher zum Einsatz kommen, ist eine Korrektur auch bis in höhere Frequenzbereiche durchaus sinnvoll. Die Nachteile durch zusätzlichen Einsatz von Filtern werden durch einen homogeneren Klang insbesondere bei Multilautsprecher-Anwendungen vermutlich aufgewogen. Und man hatte bei Audyssey ja auch schon die Möglichkeit, die anderen Lautsprecher klanglich an die Frontlautsprecher angleichen zu lassen. Die Implementation der Subwoofer ist ebenfalls auf dem Stand der Technik gemäss den gängigen Empfehlungen in den USA gemacht worden. Inzwischen ist man natürlich deutlich weiter. Aber soweit ich weiss, entspricht die Subwoofer-Einmessung von OCA im Wesentlichen dem gleichen Ansatz.
Die Multeq-X Software ist vom Leistungsumfang extrem mächtig. Gerade auch wer gerne mit Filtern, etc. herum spielt, hat hier eine Spielwiese bekommen, die in diesem Segment von AVRs einzigartig ist. Bei meinen bisherigen A1 Evo Messungen habe ich die Filter dann auch per Multeq-X eingebunden. Dadurch hat man etwas mehr Flexibilität, da man die Filter definiert zuweisen kann und so Flat und Reference nutzen kann.
Als ich mir für den Denon Dirac geholt hab, habe ich natürlich auch erstmal gedacht, Dirac ist deutlich besser. Und was Dirac deutlich besser macht, ist definitiv die Impulsantwort. Allerdings war mir auch gleich aufgefallen, dass Dirac bei den Einstellungen zur Target-Curve nicht schüchtern unterwegs war. Dirac und Audyssey mit gleicher Target-Curve und ansonsten vergleichbaren Settings, werde ich in einem Blindtest sehr wahrscheinlich nicht heraus hören. Die 1. Implementation von Dirac war sogar relativ Benutzer-unfreundlich gemacht, da die Lautsprecher schon vor der Kalibration passend eingestellt werden mussten. Eine nachträgliche Änderung war nicht möglich, ohne danach neu kalibrieren zu müssen. Audyssey hat sämtliche Lautsprecher schon immer Fullrange gemessen, so dass Änderungen der XO-Frequenzen problemlos möglich waren. Mit der Freigabe von DLBC für Denon/Marantz wurde dann DLBM eingeführt. D.h. jetzt hat Dirac die Lautsprecher auch Fullrange gemessen und eine nachträgliche Änderung der XO-Frequenz im Receiver oder in der Software ermöglicht. Audyssey ist es egal, wo die Frequenz geändert wird. AVR und App gehen beide. Wenn bei Dirac die Änderung in der App vorgenommen ist, kann im Receiver nichts mehr geändert werden.
Den wirklich grossen Wurf hat Dirac dann mit DLBC gelandet. insbesondere bei mehreren Subs und bei den aktuellen AVRs mit bis zu 4 Stück, ist das Ergebnis mit DLBC deutlich besser, als das was Audyssey abliefert. Mit MultiSubOptimizer hab ich noch ein besseres Ergebniss als mit DLBC erzielt, das war aber anscheinend ein Lucky-Shot. Wirklich reproduzieren, oder das Ganze hinterher noch verbessern war nicht. Und die Impulsantwort sieht mit Dirac nach wie vor besser aus. Trotzdem laufen meine Subs aktuell mit MSO.
Mit Dirac hatte ich aber häufig Probleme, dass das Stereo-Image nicht mittag war. Bei Audyssey kann man problemlos alle Parameter nachträglich ändern, bei Dirac ist das mit DLBM und DLBC nicht möglich. Das Image habe ich dann nur über die Kanalpegelanpassung unter Optionen mittig bekommen. Inzwischen ist meine Dirac Einmessung mittig, ich weiss nicht genau woran es gelegen hat. Ich hatte nur mit Dirac Live die MLP eingemessen und dann akustisch über Laufzeitanpassung das Image zentriert. Dann habe ich über diese Lautsprecherkonfiguration nochmal eingemessen, unter anderem auch noch mit den ganzen Vorgaben seitens Dirac Anleitung für stabiles Center-Image. Ich hatte aber letztens auch meine Absorber höher gehangen und vielleicht hat dies das Reflexionsverhalten auch noch positiv beeinflusst.
Wenn ich mir jetzt anschaue, welche Fragen z.T. hier und im AVS-Forum gestellt werden, welche Probleme ich selber bei der Einmessung gehabt habe: Für eine Firma ist ein Ansatz wie A1 Evo oder gar Nexus gar nicht zu stemmen. Die sich hier zum Thema informieren, sind ja doch mindestens an der Thematik interessiert. Wenn man so einen Ansatz jetzt auf Normalverbraucher loslässt, ist das vom Support sicher nicht zu stemmen. Nachdem, was so kursiert, hat ja Dirac genau aus diesem Grund die Reissleine bei ART gezogen. Solange so ein System von einem Installer in Betrieb genommen wird, ist der Support-Aufwand überschaubar. Für Otto Normalverbraucher, der damit einmal sein System Kalibrieren will...
Ich bin gespannt auf Nexus und wie es sich gegenüber den anderen üblichen Verdächtigen schlägt. Absolut beeindruckend, was Serkan auf die Beine gestellt hat. Bei gleichen Target-Curves und gleichen Einstellungen (will ich nur bis 250 Hz literarisieren oder höher) sowie gleichen Pegeln, sind die Unterschiede zwischen den Verfahren vermutlich eher marginal, oder ich zu taub. Der Bassbereich und die Ankopplung an die anderen Lautsprecher ist für mich eher so der Knackpunkt. Aktuell höhre ich meistens mit DLBC. Die Subs sind per MSO linearisiert, DLBC macht die Ankopplung an die anderen LS. Als Target-Curves läuft bei Filmen die Storm-Audio Target-Curves und bei Musik (Stereo/Atmos) die Dolby Atmos-Kurve aus dem Verzeichnis von A1 Evo.